Broschüre Häusliche Gewalt im Wetteraukreis

Broschüre Häusliche Gewalt im Wetteraukreis

 

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Der Runde Tisch gegen häusliche Gewalt hat eine Informationsbroschüre zum Thema herausgegeben. Sie beschreibt das Präventions-, Beratungs- und Schutzangebot in der Wetterau bei häuslicher Gewalt. „Die Broschüre ist eine Unterstützung für alle, die in ihrem beruflichen Zusammenhang mit häuslicher Gewalt und ihren Auswirkungen konfrontiert sind“, sagt Landrat Joachim Arnold.

260 bis 280 Fälle häuslicher Gewalt im Wetteraukreis im Jahresdurchschnitt der letzten fünf Jahre. Das ist das Ergebnis der Wetterauer Polizeistatistik. Eine andere Zahl: Das Frauenhaus Wetterau bietet 24 Plätze und ist fast immer voll belegt; 2011 mit 101 Frauen und 126 Kindern.

„Häusliche Gewalt ist kein Randphänomen, sie geschieht in allen gesellschaftlichen Gruppen und ist ein zentrales Problem im Geschlechterverhältnis von Paarbeziehungen. Sie geschieht im sozialen Nahraum, in der Privatsphäre, in der Familie – dem Ort, der eigentlich Schutz und Geborgenheit geben soll“, betonen Christa Mansky vom Frauen-Notruf und Ingrid Apel vom Frauenhaus. „Dennoch ist häusliche Gewalt keine Privatsache, sondern geht jeden etwas an“, ergänzt Frank Appel vom Diakonischen Werk zum Hintergrund der Broschüre des Runden Tisches „Gegen Häusliche Gewalt im Wetteraukreis“.

Die rund 30 Seiten starke Informationsbroschüre beschreibt Formen und Folgen häuslicher Gewalt und geht auch auf ihre Auswirkungen für Kinder und Jugendliche ein. Interessierte können erfahren, welche Interventionsstellen es gibt und wie sie fachlich vernetzt im Runden Tisch gegen häusliche Gewalt zusammen arbeiten. Nachzulesen sind auch die jeweiligen fachlichen Schwerpunkte, Hilfsmöglichkeiten, Zielgruppen und Arbeitsweisen, wie zum Beispiel Vertraulichkeit.

Geschildert werden gemeinsam erarbeitete Handlungsabläufe, zum Beispiel mit Kindertagesstätten. „In einer Übersicht wird dargestellt, wie sie sich bei häuslicher Gewalt und dem Verdacht auf Kindeswohlgefährdung verhalten können und wer hier Unterstützung bietet“, erläutert Kornelia Schäfer, Leiterin des Fachdienstes Frauen und Chancengleichheit. Der Fachdienst sitzt ebenfalls mit am Runden Tisch.

Die Broschüre wird ergänzt durch Auszüge aus rechtlichen Bestimmungen, wie der UN Kinderrechtskonvention, dem Grundgesetz, dem Bürgerlichen Gesetzbuch sowie dem Gewaltschutzgesetz. Sie gibt Empfehlungen für Privatpersonen, wenn diese den Eindruck haben, dass in ihrem Umfeld Menschen von häuslicher Gewalt betroffen sind. Und es gibt ein ausführliches Verzeichnis zu Informationsstellen und spezialisierten Beratungsstellen für Erwachsene, Kinder und Jugendliche, sowie Ärztinnen und Ärzte.

Für wen ist die Broschüre?

Die Broschüre wendet sich hauptsächlich an Personen, die in ihrem beruflichen Zusammenhang mit häuslicher Gewalt und deren Auswirkungen konfrontiert werden. Sie wird verteilt an Lehrer/Innen, in Kindertagesstätten, der Jugendarbeit, Kirchlichen Einrichtungen, der Jugendhilfe, in Beratungsstellen und sozialen Einrichtungen und an interessierte Bürger und Bürgerinnen im Wetteraukreis.

Finanziert wurde die Broschüre ebenfalls gemeinschaftlich durch: Wetteraukreis, Diakonisches Werk Wetterau, Zonta-Club Bad Nauheim Friedberg, der Paritätische und die Deutsche Polizeigewerkschaft Mittelhessen.

Der Runde Tisch gegen häusliche Gewalt

Den Runden Tisch gibt es seit 2006. Ihm gehören viele Organisationen und öffentliche Stellen an: Frauenhaus Wetterau, Frauen-Notruf, Wildwasser, Frauenzentrum, Evangelische Familien-Bildungsstätte, Jugendamt, die Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern, Diakonisches Werk, Weißer Ring, Polizeidirektion Wetterau und Fachdienst Frauen und Chancengleichheit.

Er hat sich drei Ziele gesteckt: Nachhaltiger Schutz von Frauen und Kindern und Beratung nach erfolgter Gewalt; Entwicklung von Standards für die Zusammenarbeit in Fällen von häuslicher Gewalt; Rahmenbedingungen schaffen, die Schutz gewährleisten.

 

 Konzept, Gestaltung & Umsetzung

 

One thought on “Broschüre Häusliche Gewalt im Wetteraukreis

  1. Ein Thema, das in der Öffentlichkeit immer wieder bagatellisiert wird. Die, die (beruflich) damit zu tun haben, wissen um die vielfältigen Auswirkungen körperlicher, seelischer und sexualisierter Gewalt innerhalb von Familien.

    Familie und das eigene Zuhause gelten mit Recht als besonders schützenswürdig, doch darf das nicht dazu führen, dass Gewalt praktiziert oder toleriert wird und Opfern dieser Häuslichen Gewalt nicht die Hilfe Unterstützung gewährt wird, die sie brauchen. Das geht nur, indem wir als Gesellschaft auch diesen privaten Raum in unsere Aufmerksamkeit nehmen. Vor allem aber dadurch, dass wir öffentlich machen was heimlich geschieht. Dazu wurde diese Broschüre vom Runden Tisch gegen Häusliche Gewalt im Wetteraukreis erstellt.

    Mit Alexandra Weichhaus, fanden wir eine Designerin, die mit viel Einfühlungsvermögen und Sachverstand diesem Anliegen eine Form gegeben hat, die der Schwierigkeit Rechnung trägt mit einem sensiblen Thema sehr deutlich umzugehen. Bei aller Klarheit und Schärfe, die bei diesem Thema geboten sind, sollte die einladend emotionale Wärme nicht verloren gehen, die notwendig ist um betroffenen Menschen – auch in ihrer Ambivalenz – einen Zugang zu den Auswegen zu ermöffnen. Dies ist Alexandra Weichhaus gelungen. Damit hat sie dem vielfältigen und jahrelangen Engagement der Fachleute im Wetteraukreis ein neues öffentlich wahrnehmbares Medium gestaltet, das richtig gut passt.

    Alexandra Weichhaus ist für solch sensiblen Themen nur wärmstens zu empfehlen – zumal die Zusammenarbeit auch unkompliziert und verbindlich ist.

    Frank Appel,
    Bereichsleitung Lebensberatung
    Diakonisches Werk Wetterau

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